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Kleiner Zirkus ganz groß – Cirque Bouffon

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bu-vidAbtauchen in Traumwelt eines Jongleurs – Von Slavica Vlahovic – Liebe, Artistik, Poesie und Theaterelemente aus Musik, Gesang und Tanz: zwölf Künstler aus sechs Ländern erwecken die Phantasiewelten des Zirkus von Frederic Zipperlin. Sie begeistern mit artistischer Körperkunst, mit Luftakrobaten, Clowns und musikalischen Virtuosen.

Seine Shows spannen den Bogen von klassischen zu neuen provokanten Showelementen. Die kullerblauen Augen, der offene Blick eines Kindes, das ansteckende Lachen eines Clown, – Frederic Zipperlin spielt in seinem Zirkus, was er lebt – Bouffons: groteske Figuren, Querdenker und Randfiguren. Sie irritieren und provozieren. Der „Bouhl“ , wie er sich als Künstler nennt, jongliert in seiner Phantasiekugel wie in einer Seifenblase.
Geboren und aufgewachsen in Frankreich, tourte Frederic als 18-jähriger Jongleur mit dem „Cirque du Soleil“, dem bekanntesten Zirkus der Welt, durch Kanada, Amerika und Europa. Nach einem Soloauftritt in Deutschland vor 22 Jahren verliebte er sich in eine deutsche Tänzerin. Vor acht Jahren sammelte er um sich eine Truppe der erstklassigen Künstler, gründete seinen eigenen Zirkus „Cirque Bouffon“, und ging auf Tournee. Der Jongleur hat den Sprung zum Zirkusdirektor geschafft: Über das Wort „Chef“ lacht er schallend:

„Ich bin Kollege „Chef“, ich denke, ich spiele, ich organisiere alles, es ist viel Arbeit, aber ne, ich bin kein richtiger Chef, ich liebe dieses Wort nicht mal. Ich bin Zirkusdirektor, der Böse…“

circus_buffDer Visionär wusste sehr früh, was er wollte. Mit 14 besuchte der junge Frederic eine Artistenschule in Paris. Mit 18 packte er seine sieben Sachen und flog über den Atlantik, um sich in Quebec bei dem „Cirque du Soleil“, dem legendären kanadischen Zirkus, vorzustellen. Sein Talent, seine offene Art und das frisch erworbener Jongleurdiplom überzeugten sofort. Drei Jahre tourte er mit den Kanadiern durch die Welt, bevor er bei einem Soloauftritt in Deutschland die Frau seines Lebens traf: „Es war lustig, sie hat mich anfangs nur geschminkt gesehen, sie war mehr verliebt in diesen Bouhl-Charakter, ich war verliebt in die Tänzerin, sie war ein Engel… Das ist die Liebe, das ist Anja, das ist der Grund, warum ich jetzt 22 Jahre in Deutschland bin.“

Anja Krips, seine Muse, tritt nun in seinem Programm auf. Sie war Ballet-Tänzerin, lebte in einem reichen, behüteten Elternhaus in Bergisch Gladbach, als sie sich in den chaotischen Zirkus-Mann aus Frankreich verliebte. Ihre Eltern, der Vater Manager bei Bayer-Leverkusen, die Mutter Hausfrau, waren verzweifelt. Doch heute lieben sie „ihren“ Frederic und unterstützen das Künstlerpaar, wo immer sie können. Auch nach 22 Jahren gerät Anja ins Schwärmen, wenn sie von ihrem Frederic spricht:


Vielen Dank an:
director of photography: Marvin Bruns, Marvin Kochen, Janni Danikas
Director of editing: Marvin Bruns
Project Manager : Finja Kolzem

„Wir sind bei der Arbeit Kollegen und privat die Eheleute, Freunde und Vertraute. Frederic als Mensch ist ein unglaublicher Typ. Der hat immer gute Laune und einen ungeheuren Willen. Das ist für andere manchmal anstrengend, weil er sehr viel will. Aber er macht auch sehr viel alleine und er ist sehr großzügig, das finde ich sehr toll an ihm. Er hat sehr gerne seine Leute um sich und hegt und pflegt sie auch und versucht, sie in Kondition zu halten, wenn es schwierig ist. Ich finde, er ist eine Ausnahmeerscheinung, absolut.“ Der französische Bouhl hat sie, eine deutsche Tänzerin, noch unter seiner Maske entwaffnet. Ihre Neugier hat die Phantasie geweckt, erinnert sich Anja:

„Ich habe gedacht, wie sieht er wohl aus ungeschminkt, als Mensch, als Mann? Und irgendwann ist eine Vorstellung ausgefallen, wir hatten Zeit, er hat mich eingeladen ins Kino, ich habe ihn gesehen, ungeschminkt, und dann haben wir uns schnell verliebt.“

Cirque Bouffon_"SOLVO"Die Liebe hat ihren Preis. Frederic, der französische Vagabund, folgte seiner deutschen Frau und ließ sich in ein kleines Dorf bei Bergisch Gladbach einsiedeln.
„Er hat es am Anfang nur Zähnen knirschend akzeptiert“, grinst sie ihren wilden Bouhlen aus Paris. Anfangs fehlte ihm Paris, seine französischen Freunde, die Sprache. Doch er blieb. Allerdings weigerte er sich lange die deutsche Sprache zu lernen:

„Ich habe die ersten sechs Jahren nur Englisch geredet, auch mit meiner Frau. Vielleicht fiel es mir schwer, weil ich in Paris gelebt habe und eine andere Lebensart gewohnt war. Hier ist alles perfekt und geradeaus, das Leben ist verplant. Doch mit der Zeit gewöhnte ich mich, es wird alles besser und besser daran. Nach einiger Zeit habe ich einen deutschen Intensivkurs genommen und meinen Weg in Deutschland gefunden.“

Frederic hatte es anfangs auch schwer als deutscher Schwiegersohn, weiß auch Anja, seine Frau:
„Meine Eltern hatten einen totalen Schock, als sie gehört haben, ich komme mit jemandem von Zirkus. Das fanden sie unglaublich schlimm. Dazu muss man wissen, mein Vater war Manager bei Bayer Leverkusen, meine Mutter Hausfrau, sie haben ihre Freizeit am Tennisplatz verbracht, heute auf dem Golfplatz, ein bisschen Etipitete und der Zirkus war ein Schocker. Und dann, als meine Mutter gehört hatte, dass ich schwanger war, hat sie geheult.“

Heute lieben seine deutschen Schwiegereltern „ihren“ Frederic und passen auf die Enkelin auf, wenn das Künstlerpaar auf Tournee ist. Gerade hat er mit seiner bunten Truppe 120 Vorstellungen in Köln, Münster und Wiesbaden hinter sich. Aktuell ist er in Lion, in die Heimat des Zirkusdirektors Frederic Ziperlin.

Im April 2015 ist Cirque Bouffon wieder auf dem Gelände des Schokoladenmuseums in Köln zu sehen.

foto©cirque-bouffon.com

www.cirque-bouffon.com

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