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26

Nov
2014

Nachtbürgermeister für Köln?

On 26, Nov 2014 | Keine Kommentare | in LATEST NEWS, Originell, Szene, TOPARTIKEL | von SecMag

bu-vidvon Magdalena Dreszer / Film: Damian Sochacki – In dieser Woche erhielt der „Heimathirsch“ in Nippes die Auflage, Musikveranstaltungen unverzüglich zu unterlassen, da die Gäste öfters, so wie überall in Köln, das Lokal verlassen, um zum Beispiel das Nichtraucherschutzgesetz nicht zu verletzen. Dies stört wiederum massiv die Anwohner. Warum das Partyvolk in Nippes verdrängt werden kann, sich aber am Brüssler Platz seit mehreren Jahren ausbreiten darf, bleibt für die Betreiber Morten Sommer, der gemeinsam mit William Blask Inhaber des im April 2011 eröffneten Ladens ist,  unergründlich. Warum Subkultur in der einen Ecke der Stadt erlaubt ist, und in einer anderen Ecke nicht, ist daher wohl mit Willkür behaftet.

Botschafter für Nachtschwärmer – Nachtbürermeister könnten zwischen Kommunalpolitik, Verwaltung, Feiernden, Kulturschaffenden & Anwohnern vermitteln.

Der Ursprung des Amtes „Nachtbürgermeister“ liegt im New York der zwanziger Jahre. Der Legende nach trug Bürgermeister James J. Walker den Spitznamen „the night mayor“, weil er nie vor Mittag seinen politischen Ämtern nachging. Er verkündete öffentlich, dass es die größte Sünde sei, am selben Tag ins Bett zu gehen, an dem man aufgestanden sei. Im Nachtleben sehr präsent, sagte er: „Ein Reformer ist ein Kerl, der durch einen Abwasserkanal in einem Glasbodenboot fährt.“

Ob wahr oder nur schön erfunden – verbrieft ist jedenfalls, dass „Nachtbürgermeister“ bis in die 1970er Jahre der inoffizielle Titel für jemanden war, der eine führende Rolle im Nachtleben einer Gemeinde spielte, sie quasi repräsentiert hat. Als erster offiziell eingeführt hat das Amt der niederländische Dichter, Performer und Jazz-Schlagzeuger Julius Anton Deelder in Rotterdam. Inzwischen haben mehrere niederländische Städte einen alternativen Bürgermeister, der abendliche Debatten organisiert, sich in die Kommunalpolitik einmischt, in der Nachtszene die Kluft zwischen den jungen Menschen und der Politik zu überbrücken versucht. Dort haben die Großstädter erkannt, dass die Nachtszene einen erheblichen Wirtschaftsfaktor darstellt, ein pulsierendes Nachtleben die kreative Industrie, den Tourismus anzieht. Und dass ein Nachtbürgermeister das Wissen über das Nachtleben der einzelnen Gemeinden bei der Stadtverwaltung und Politik erweitern und ergänzen kann.

 

Können Kölner Bürger mit dem Amt eines Nachtbürgermeisters etwas anfangen? Braucht Köln „so einen“? Seconds hat auf den abendlichen Partymeilen Kölns ein paar spontane O-Töne von Passanten eingefangen, denen es nach dem Nachtleben durstet.

In Amsterdam etwa existiert das Amt seit 2003 und wird seit September bereits in der zweiten Amtszeit von Mirik Milan bekleidet. Seine Aufgabe besteht in der Vermittlung zwischen Clubbetreibern, Partyszene, Politik und Bürgern. Er setzte die 24-Stunden-Bewilligung für viele Lokale durch, eine spätere Sperrstunde. Er sorgte für mehr Sicherheitskräfte auf den Partymeilen Amsterdams und berät den amtierenden Bürgermeister des Tages. Sein Ziel ist, die erste internationale Konferenz der Nacht in Mailand zu organisieren, damit ab 2020 alle europäischen Großstädte einen Nachtbürgermeister haben. Dafür reist der studierte Kommunikationswissenschaftler und Leiter einer Eventagentur in seiner Ehrenamtsfunktion engagiert um die Welt und leistet Aufklärungsarbeit.

In Bars und Restaurants demokratisch gewählt

Paris kann ebenfalls mit einem Nachtbürgermeister aufwarten: Hier wählten 2000 Menschen in einem demokratischen Urnengang in 40 Bars und Restaurants den Journalisten, Schriftsteller und Veranstalter Clément Léon R. in dieses Amt. Er meint: „Die Entscheidungen darüber, wie die Nacht auszusehen hat, treffen Leute, die schlafen, während all das passiert.“ Daher setzt er seinen Schwerpunkt auf die Vermittlung zwischen Barbesitzern und Anwohnern, auf den städtischen Nahverkehr bei Nacht. Er möchte künstlerische Kniebeugen und Mini-Festivals in den Bezirken fördern und vorwiegend auf das Ausgehpublikum eingehen.

Immer mehr Städte setzen auf dieses Konzept. Eine Professionalisierung des Amtes gibt es allerdings ebensowenig wie eine Anleitung oder ein Budget. Eine Website, ein Facebook-Account, ein Schreibtisch, ein Anzug und Kontakte in die Nachtszene – das muss genügen. Im Idealfall ist der „Fürsprecher der Nacht“ weder Beamter, noch Lobbyist, sondern unabhängig.

Konzept auch für Köln?

Kann das auch ein Konzept für Köln sein? Das Forum Veranstaltungskultur der Kölner SPD möchte neben dem Verband Kölner Clubs und Veranstalter e.V KLUBKOMM die Kneipen- und Clubbetreiber, die Politiker und die Stadtverwaltung in einen Dialog treten lassen. Und dazwischen einen Mediator postieren, der zwischen diesen „Interessenverbänden“ vermittelt. Der die Anliegen all derer vertritt, die die Nachtszene wirtschaftlich und kulturell fördern, sie prägen und somit für Vielfalt und ein lebendiges Köln nach Feierabend sorgen. Die Kölner SPD wünscht sich „unbürokratische Lösungen“. Fraglich bleibt, ob die Einführung eines weiteren Amtes die Bürokratie im Verwaltungsapparat verringert und die Dauer an Diskussionen in politischen Gremien bis zu einer konkreten Umsetzung eines städtischen Konzeptes verkürzt.

Zu tun gibt es genug. Neben Gema, Sky, dem nächtlichen Straßenverkehr nebst Außengastronomie oder der Sicherheit auf Festivals und den Partymeilen, sind vor allem Müll und Ausschankpreise immer wieder Aufreger: Kioske, die natürlich keiner missen will, die jedoch ihre Getränke zu günstigeren Konditionen verkaufen und ihre Kundschaft zwangsläufig auf den Straßen konsumieren lassen. Dies verursacht Müll und einen gewissen Lautstärkepegel.

Ein weiteres Konfliktpotenzial stellt das Nichtraucherschutzgesetz dar. Kneipen- und Clubbesitzern zufolge verbringen viel zu viel ihrer Kundschaft die Abende und Nächte „draußen“. Auch NACH 22 Uhr will man sich schließlich austauschen und feiern. Klagende Nachbarn, die ihre Fernsehsendung auch mal wieder hören wollen, sind die Folge. Das Thema „ Lärm“ und der Streitpunkt darüber, wann er nun eigentlich beginnt, wann und wo er nicht nur geduldet, sondern auch mal erlaubt wird, birgt wohl das größte Konfliktpotenzial. Die festgesetzten Emissionswerte sind streng: 35 Dezibel im reinen „Wohngebiet“ – vergleichbar mit leiser Musik. 65 Dezibel im „Mischgebiet“ – vergleichbar mit Kantinenlärm. Ab einem Dauerschallpegel von 60 Dezibel sollen laut Forschung bereits Stressreaktionen im Schlaf auftreten, ab 80 Dezibel kann die Gesundheit leiden.

Das Problem: Ein Teil der Kölner Partymeilen, etwa die Ehrenstraße und die Zülpicher Straße, sind als ein reines „Wohngebiet“ ausgewiesen. – Feiern im Wohngebiet – ein polarisierendes Thema

Darf ein Anwohner der Zülpicher Straße, des Brüsseler Platzes oder der Altstadt erwarten, dass er ruhig in den Schlaf schlummert? Originelle Lärmeindämmungsmaßnahmen als möglicher Kompromiss müssen her. Wer vertritt die Interessen all der privaten Bürger und Besucher unserer Stadt, die es abends und nachts nach Feiern durstet?

Der Botschafter der Nacht – ein in Köln noch relativ unbekanntes, polarisierendes Thema. Doch das Amt des Nachtbürgermeisters würde zumindest eine Chance darstellen, auf die „nächtlichen“ Aspekte Kölns genauer einzugehen, genauer hinzuschauen, wie es James J. Walker in der New Yorker Kanalisation im übertragenen Sinne tat.

Standpunkte zur Subkulturförderung

Zwischen den Welten from Michael Rueger on Vimeo.

hier eine gelungene Kurzdokumentation über den Veranstaltungsort „Odonien“ in Köln, mit der Frage inwieweit subkulturellen Orten heutzutage Entwicklungspotenziale in urbanen Räumen gegeben? Entstanden im Rahmen der Masterarbeit an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, SS2014.

Und im Anschluss den Sprecher des Forums für Veranstaltungskultur der Kölner SPD, Marco Malavasi, interviewt, der sich für die Einführung dieses Amtes stark macht.

 Das Interview mit Marco Malavasi

Vorstandsmitglied der Kölner SPD und im Kultur- und Stadtentwicklungsausschuss tätig. Darüber hinaus Sprecher des Forums Veranstaltungskultur und ein großer Befürworter der Einführung des Amtes „Nachtbürgermeister“. Das Interview führte Magdalena Dreszer

Warum tun sich Bürger und Politiker mit der Einführung dieses Amtes im Vergleich zu zahlreichen anderen europäischen Städten so schwer?

Ich glaube nicht, dass sich die Bürgerinnen und Bürger damit wirklich schwer tun. Denn so lange wird das Thema in Köln noch gar nicht diskutiert. Erst vor einem Jahr haben wir als KölnSPD die Idee nach Köln gebracht, angelehnt an die bestehenden Konzepte in Amsterdam und Paris, wo die Ämter bereits erfolgreich eingeführt worden sind. In unseren Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern stoßen wir fast ausschließlich auf großes Interesse und positives Feedback. Nun geht es darum, für den Nachtbürgermeister politische Mehrheiten im Kölner Rat zu finden und das Amt mit Leben zu füllen.

Marco_Malavasi-webWarum dauern solche Prozesse immer so lange?
Weil uns die Wählerinnen und Wähler leider nicht die absolute Mehrheit im Kölner Stadtrat verschafft haben (lacht). Sonst könnten wir das Amt schon jetzt auf den Weg bringen. Aber Scherz beiseite: In Demokratien dauert die Umsetzung von wirklichen Neuerungen leider immer etwas länger, weil man viele Diskussionen führen, Leute überzeugen und für seine Idee gewinnen muss. Aber wir bleiben dran und werden das schnellstmöglich auf den Weg bringen.

Bringt Köln die Voraussetzungen mit, um deutscher Vorreiter für die Einführung dieses Amtes zu werden?
Absolut! Köln ist eine Stadt, die durch ihre Vielfalt lebt, auch und insbesondere durch ihre vielen kulturellen Angebote. Unser Nachtleben und die Veranstaltungskultur ziehen Leute an und tragen maßgeblich zum guten Ruf der Stadt bei. Deswegen sind wir prädestiniert dafür, dieser Form von gelebter Stadtkultur auch die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen. Auch die in den urbanen Vierteln immer wieder diskutierten stadtentwicklungspolitischen Konfliktherde zwischen Wohnen und Feiern zeigen deutlich, dass wir eine neue Form des Dialogs und der Auseinandersetzung mit dem Thema brauchen. Hier neue Ansätze zu finden und vor allem zu produktiven Lösungen beizutragen, dafür ist so ein Amt sehr sinnvoll.

Seconds hat bei seiner Umfrage auf der Zülpicher Straße festgestellt, dass das Thema Nachtbürgermeister sehr polarisiert und noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten ist …
Zum einen stelle ich fest, dass die Polarisierung schnell aufgehoben werden kann, wenn man mit den Leuten spricht und die Idee erläutert. Zum anderen ist es doch toll, dass der Begriff Nachtbürgermeister sofort Emotionen auslöst. Mir zeigt das vor allem eine große Neugier an dem Thema. Und gerade dieser Bedarf an Aufklärung zeigt doch, dass es wichtig ist, ein sichtbares Symbol zu haben. Eine Person, die für das Thema steht und auch ständiger Ansprechpartner sein kann.

Welche Aufgaben müsste ein Nachbürgermeister konkret übernehmen?
Zu den konkreten Aufgaben kann ich zurzeit noch nicht allzu viel sagen. Uns als KölnSPD ist es wichtig, dass wir die Details zusammen mit den Kulturschaffenden, Clubs, Wirten und auch der Bevölkerung entwickeln. Klar ist für uns aber, dass ein Nachtbürgermeister mehr haben muss als eine reine Moderationsfunktion. Wir wollen einen Nachtbürgermeister, der richtig gestalten kann und Dinge in Bewegung setzt.

Könnte sich ein Nachtbürgermeister in Köln denn gegenüber Politik und Verwaltung wirklich durchsetzen?
Wir möchten auf gar keinen Fall einen zahnlosen Tiger ins Amt setzen. Der Nachtbürgermeister darf kein Feigenblatt für ein Problemfeld sein, das die Politik vor sich herschiebt. Vielmehr ist es ein Amt, das höchste Ansprüche hat, produktiv Dialoge zu führen und damit unsere Stadt weiter nach vorne zu bringen. Dazu gehört dann auch, die Wahrheit zu sagen, wenn es dem einen oder anderen einmal wehtun mag.

Reicht hierfür Ehrenamt aus?
Ob es sich letztlich um ein Ehren- oder Hauptamt handeln wird, werden wir sehen. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, im Rahmen unseres Forums Veranstaltungskultur das Konzept so detailliert auszuarbeiten, dass am Ende ein ernstzunehmendes und kompetentes Amt herauskommt. Deshalb sitzen in diesem Forum nicht nur Parteimitglieder, sondern auch die KlubKomm, Partyveranstalter, DJs, Clubbesitzer, Wirte und Gäste. Am grünen Tisch kann so etwas nicht entstehen!

Welchen Stellenwert haben die Bürgerforen bei diesem Prozess?
Da es sich um ein offenes Forum handelt, ist jeder herzlich eingeladen. Und klar diskutieren wir das alles natürlich auch mit Bürgerforen. Wir freuen uns über jeden Teilnehmer, der guten Input mitbringt Wir schließen niemanden aus.

FotoErreichen Sie die Bürger?
Das ist in der Politik immer eine spannende Frage. Manchmal frage ich mich, ob man mit Parteiarbeit überhaupt noch Bürger erreichen kann. Wir tun jedenfalls alles, um die Diskussion um den Nachtbürgermeister möglichst breit zu führen. Ich bin wirklich froh über jeden, der mitmacht. Und wir stehen mit diesem Problem ja nicht alleine da. Auch die Bürgerforen müssen sich die Frage stellen, wen sie eigentlich repräsentieren. Beispiel Brüsseler Platz: Das dortige Bürgerbüro besteht letztlich auch nur aus einer Handvoll Personen. Da frage ich mich natürlich: Wen repräsentieren die denn eigentlich? Und woher nehmen sie die Legitimation, für alle Anwohner zu sprechen? Wir als Forum Veranstaltungskultur können nicht mehr machen, als alle einzuladen. Jeder, der sich einbringen möchte, kann dies bei uns tun.

Mediationsverfahren, Dialoge, Diskussionen – schön und gut. Sie schreiben auf Ihrer Homepage selbst, es gäbe viel zu tun. Diskutieren alleine bewirkt noch nichts. Wie stehen Sie zum Brüsseler Platz?
Ich glaube, wir haben am Brüsseler Platz ein politisches Entscheidungsvakuum. Wir können als Kommunalpolitiker Konflikte nicht ewig vor uns herschieben, in der Hoffnung, dass sie wegmoderiert werden. Eine Friede-Freude-Eierkuchen-Politik, die sagt, wir können an einem Ort feiern, arbeiten, leben, wohnen und einkaufen, funktioniert nicht mehr. Deswegen haben wir uns als örtliche SPD dazu entschlossen, andere Wege zu gehen. Wir müssen den Platz stadtplanerisch verstehen. Uns ist dabei Folgendes wichtig: Der Brüsseler Platz ist nicht per se ein Problemfall. Er ist als Treffpunkt ein Stück wertzuschätzende Stadtkultur. Es ist doch toll, dass es in Köln Plätze gibt, an denen sich Menschen treffen und sich ohne irgendwelche Zwänge unterhalten können. Die überwältigende Mehrheit der Menschen auf dem Brüsseler Platz tut ja nichts Schlimmes. Sie unterhalten sich und trinken ihr Bier. Das sollte auf einem Innenstadtplatz immer möglich sein!
Wir sollten uns eher die Frage stellen, wie man den Platz baulich so gestalten kann, dass er leiser wird und die Störung für die umliegende Wohnbevölkerung gesenkt werden kann. Salopp gesagt: Wenn der Steinboden eine Wiese wäre, würde die fallende Bierflasche weder kaputt gehen, noch so viel Lärm machen. Oder: Wie können wir die Baumdecke so verdichten, dass weniger Geräusche nach oben durchdringen? Solche Maßnahmen schauen wir uns nun näher an.
Und wenn wir mal ehrlich sind: Der Brüsseler Platz ist doch nur deshalb so ein Magnet, weil es in der Kölner Innenstadt kaum andere schöne Plätze gibt, an denen man sich gerne aufhält. Solange beispielsweise der westliche Teil des Rudolfplatzes oder der Neumarkt weiterhin so aussieht wie jetzt, habe ich keine Lust, dort zu sitzen. Da müssen wir ran und die Plätze schlicht schöner machen.

nachtbürgermeister3Wie steht es um die Zülpicher Straße?
Auch hier gilt, dass klare Entscheidungen erforderlich sind. Sowohl Zülpicher Platz als auch Zülpicher Straße wurden von der Politik und ihren örtlichen Vertretern in den letzten Jahren schwer vernachlässigt. Ich finde es faszinierend, wenn ich mir den Flächennutzungsplan angucke und feststelle, dass die Zülpicher Straße als Wohngebiet ausgewiesen ist, teilweise sogar als reines Wohngebiet. Das gilt für die Ehrenstraße witzigerweise auch. Da frage ich mich doch: Hat das überhaupt noch was mit der Lebensrealität der Menschen vor Ort zu tun? Und ist das noch fair, wenn wir den Menschen, die dort hinziehen, suggerieren, sie würden in ein Wohngebiet ziehen? Hier muss dringend mit offenen Karten gespielt und ein Interessensausgleich geschaffen werden.

Würden Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse mit der Einführung eines Nachtbürgermeisters schneller vonstattengehen?
Natürlich ginge es dann schneller. Diese Erfahrung machen wir überall, wo wir einen festen Ansprechpartner haben. Dieser kann die Vermittler- und Übersetzerrolle zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern ausfüllen und Partner und Lotse sein. Das vereinfacht derartige Prozesse ungemein.

Wie sieht denn ein Nachtbürgermeister für Sie aus?
Zunächst einmal ist er kein Politiker. Politiker sitzen in Parteien und werden in Räte gewählt. Der Nachtbürgermeister ist vielmehr ein Wanderer zwischen den Welten, der das Vertrauen auf beiden Seiten genießen muss. Deshalb muss er überparteilich sein. Mirik Milan, der Nachtbürgermeister aus Amsterdam, ist hierfür ein gutes Vorbild. Wir brauchen jemanden, der beide Klaviaturen spielen kann. Der wirklich ernst genommen wird, im Ratssaal und im Club!

Also wann geht es denn nun los mit dem Nachtbürgermeister in Köln?
Leider sind wir noch nicht ganz am Ziel. Denn natürlich gibt es in dieser Stadt auch politische Kräfte, die strickt gegen einen Nachtbürgermeister sind. Da stehen sich zum Teil auch verschiedene Urbanitätskonzepte gegenüber. Für uns gehören Clubs, Kneipen und auch feiernde Menschen eben dazu. Beruhigte Luxusghettos, die sich niemand mehr leisten kann, lehnen wir ab. Deshalb halten wir am Ziel fest, 2015 ein fertiges Konzept vorlegen zu können, das von einer breiten Ratsmehrheit getragen wird.

Vielen Dank für das Interview

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