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06

Apr
2014

Von Helden, Jungfrauen und großen Bären

On 06, Apr 2014 | Keine Kommentare | in LATEST NEWS, Lebensraum, Originell | von SecMag

Wie hat Zeus seine Geliebte vor dem Zorn seiner Ehefrau gerettet? Welche gefährlichen Ungeheuer musste Herkules einst erlegen? Und welche wilden Tiere sehen nachts sonst noch so vom Himmel auf uns herab? Die Antworten hierzu liest der Wissenschaftsjournalist Hermann-Michael Hahn ganz einfach ab. Ein Buch braucht er dazu nicht. Er muss einfach nur nach oben schauen – nachts, versteht sich. Denn die Antworten auf diese Fragen stehen direkt in den Sternen.



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Schon im Altertum blickten die Menschen nachts in den Himmel und versuchten, Ordnung in das leuchtende Gewimmel zu bringen, das sie dort sahen. Der einfachste Weg: Sie fassten einzelne Sterne zu Figuren zusammen, die in ihrer Mythologie eine Rolle spielten. So sind einige Sternbilder, wie etwa der Stier, bereits acht bis zehntausend Jahre alt. Am Bekanntesten ist heute wohl der Große Bär, der bei uns in Europa das ganze Jahr über zu sehen ist. Laut lateinischer Übersetzung „Ursa Major“ handelt es sich bei diesem Sternbild allerdings um eine Bärin. Die Sage bestätigt dies: So soll die Göttin Hera einst die schöne Kallisto aus Eifersucht in einen Bären verwandelt haben. Der Grund: ihr untreuer Ehemann Zeus. Er hatte sich zuvor in Kallisto verliebt und mit ihr einen Sohn gezeugt: Arkas. Dieser traf eines Tages bei der Jagd auf seine verwandelte Mutter, erkannte sie als Bärin jedoch nicht. Damit Arkas sie nicht aus Versehen tötet, versetzte Zeus beide als Sternbilder in die nördliche Himmelsgegend – Arkas ist bei uns als das Sternbild Kleiner Bär bekannt.
„Wenn man so will, sind die griechischen Sternbildsagen die ‚Yellow Press‘ der damaligen Zeit“, sagt Hermann-Michael Hahn, Wissenschaftsjournalist und Vorsitzender der Volkssternwarte Köln. Und die Vielzahl der Sternendramen gibt ihm recht. So verbirgt sich auch hinter dem W-förmigen Sternbild Kassiopeia eine Erzählung gespickt mit Neid, Eitelkeit und Intrigen. Und die auffälligste Konstellation am Sommerhimmel, das fast gleichschenklige Sommerdreieck, das mitten in den Sternbildern Leier (früher Geier), Schwan und Adler liegt, beschreibt, wie Herkules drei kranichgroße Vogelungeheuer erlegt.

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Orientieren und unterhalten

Gleichzeitig dienten die Konstellationen am Himmel den Menschen als Orientierungshilfen. Etwa für die Landwirtschaft, die Jahreszeiten oder die Seefahrt. So gesellten sich zu den bekannten Sternbildern im Lauf der Zeit viele moderne, die auf den Entdeckungsfahrten hinzukamen. Zu ihnen gehören die praktischen Figuren Teleskop, Zirkel und Kompass. Nachdem im 19. Jahrhundert aber immer mehr nationale Sternbildvarianten hinzukamen, setzte die Internationale Astronomische Union dem bunten Sternbildtreiben 1930 ein Ende. „Heute gibt es insgesamt 88 Sternbilder. 48 davon haben wir von den alten Griechen übernommen“, sagt Hahn. Dies schließt aber nicht die Figuren aus anderen Ländern mit ein. So sehen beispielsweise die Chinesen in der Nacht ganz andere Konstellationen am Himmel wie wir. Etwa blaue Drachen oder schwarze Schildkröten. Ein weiterer Unterschied: Die aus dem chinesischen Horoskop bekannten Sternzeichen besitzen am Himmel kein Äquivalent als Sternbilder. Hahn wird während seiner Vorführungen in der Volkssternwarte von den Besuchern oft gefragt, ob er ihnen nicht ihr Sternbild am Himmel zeigen könne. „Das Sternbild hat mit dem jeweiligen Sternzeichen der Geburt bis auf den Namen überhaupt nichts zu tun“, erklärt er dann und legt großen Wert darauf. Denn mit seiner Arbeit in der Volkssternwarte möchte er vorrangig das Wissen rund um die Sternbilder und Himmelskörper vermitteln – nicht jedoch ein abergläubisches Weltbild weitergeben.

Gibt es heutzutage überhaupt noch Gelegenheiten zum Sternegucken? Schließlich orientieren sich die Menschen schon lange nicht mehr am Himmel, wenn sie irgendwo hinfahren möchten, sondern sie verlassen sich lieber auf ihr Navi. Gerade in Großstädten wie Köln wird es außerdem zunehmend schwieriger, bestimmte Sterne zu erkennen. Die meisten Stadtewohner haben noch nie die Milchstraße wahrgenommen. Der Grund: zu viel Licht. Wer mehr als ein paar Lichtpunkte sehen möchte, muss schon weiter rausfahren, etwa auf einen Rastplatz oder in die Eifel. Je weniger Licht, desto besser die Sicht. „Wer sich näher mit den Sternbildern beschäftigen möchte, kann das mit drehbaren Sternkarten ausprobieren“, rät der Diplom-Physiker und Sachbuchautor. „Sie haben nur den Nachteil, dass sie den Himmel auf einer Ebene darstellen und ihn damit etwas verzerrt zeigen.“ Ein Himmelsglobus eigne sich laut Hahn dagegen nicht, da er den Himmel nur von außen zeige. Daneben gibt es moderne Programme für das Smartphone, wie etwa „Der Verlust der Nacht“ (derzeit nur für Android). Diese App mit wissenschaftlichem Hintergrund leitet den Astronomieintessierten zu bestimmten Sternen und zeigt ihm, wie hell der Himmel an diesem Ort ist. Dass die modernen Apps allerdings auch alle spannenden Sagen, Gerüchte und Intrigen kennen, die sich hinter den Sternbildern verbergen, ist zu bezweifeln.Licht: die Schattenseite der Stadt

Die Volkssternwarte in Köln Sülz:
Die Volkssternwarte Köln ist eine ehrenamtlich betriebene Sternwarte. Sie befindet sich auf dem Dach des Sülzer Schiller-Gymnasiums. Regelmäßig können Kinder und Erwachsene bei Führungen den Mond, die Planeten und andere Himmelsobjekte beobachten sowie sich astronomische Vorträge ansehen und hören.

Die nächsten Veranstaltungen:
Alle Veranstaltungen beginnen um 19:30 Uhr und eignen sich für Besucher ab zehn Jahren.
Sommerferien: 22. Juli bis 3. September 2013

Kontakt:
Vereinigung der Sternfreunde Köln, Volkssternwarte Köln e. V.
Nikolausstraße 55, 50937 Köln
Telefon: 0221-41 54 67
Website: www.volkssternwarte-koeln.de

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