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06

Apr
2014

Gentleman –
Brunnenprojekte, Nestle und andere

On 06, Apr 2014 | Ein Kommentar | in LATEST NEWS, Lebensraum, Szene, Temperamente | von SecMag

Wasser ist ein Menschenrecht und kein Spekulationsobjekt. Seconds traf Gentleman Ein Protagonist des Viva con Agua Projektes. Gentleman: Auch, was so Konzerne wie Nestle angeht, die mit Coca Cola unter einer Decke stecken, was die Privatisierung des Wassers angeht. Dass da die Menschen nicht auf die Straße gehen und da auf politischer Ebene nichts passiert, das ist eigentlich unglaublich. Wenn man sich das vor Augen hält, dass der Nestle-Chef in einem Interview sagt: Wasser ist kein Grundrecht, kein Menschenrecht. Das macht echt extrem wütend.

Seconds: Hi Gentleman
Gentleman: Nenn mich Tillmann.

Seconds: 7:3 gewonnen auf heimichen Boden. Du kickst seit einigen Jahren für das
Viva-con-Agua-Wasserprojekt. Das Fanprojekt von St. Pauli bezeichnet sich als das einzige Wasser-all-profit-Projekt. Wie kamst du als Musiker überhaupt auf die Idee, dich für das Viva-con-Agua-Projekt einzusetzen? Bist du etwa als Kölner St.-Pauli-Fan?

Gentleman: Meine zweite Liebe ist St. Pauli. Ansonsten bin ich Kosmopolit. Die Jungs von Viva con Agua kommen zwar aus Hamburg, aber es geht nicht darum, wo Viva con Agua gegründet worden ist, sondern es ist einfach ein Charity-Projekt, das eine ganz lockere, unaufdringliche und sympathische Art und Weise, fern ab von Bürokratie und Steifsein, gefunden hat, um wirklich was zu bewegen. Deshalb bin ich ein Teil davon geworden. Ich habe mich dazu gar nicht entscheiden müssen, es ist einfach passiert. Ich habe Michael Fritz kennengelernt und wir waren sofort auf ganz vielen Ebenen auf derselben Wellenlänge. Das fing langsam an und mittlerweile hat das eine Form angenommen, es wächst immer weiter. Jetzt reden wir darüber – was längst überfällig ist –, uns die Projekte vor Ort anzugucken und das Ganze mit Musik zu verbinden.

Seconds:Mit Fußball und Musik erreicht man viele Menschen, was macht mehr Spaß: Fußball oder Reggae?

Gentleman: Ach, es gibt viele Parallelen. Beides ist Hochleistungssport und beides geht „direkt in die Birne“. Wenn du Fußball spielst, bist du absolut im Moment und wenn du Musik machst, bist du auch absolut im Moment. Es gibt zu wenige Dinge, die direkt in die Birne gehen. Immer bist du in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Im Moment zu sein heißt, das Leben zu spüren, und das ist beim Fußball genauso wie beim Musikmachen.

Seconds: Du sprichst Jamaikanisch und singst auch in der Sprache: Was heißt „gutes Wasser“ auf Jamaikanisch?

Gentleman: Good water (lacht).

Spekulationen auf Grundnahrungsmittel
Die Menschen haben nichts zu essen,
überall brechen bürgerkriegsähnliche Zustände aus und die Spekulanten
an der Börse setzen auf Brot und Wasser!

Seconds: Das Allstar-Team ist mit hoch engagierten Leuten besetzt, das geht über Händeschütteln und Scheckhochhalten weit hinaus, viele arbeiten ehrenamtlich – ist das so eine Art ehrliches Engagement?

Gentleman: Ja, absolut.

Seconds: Das Wasserprojekt Viva con Aqua versucht, die Grundversorgung mit Trinkwasser sicherzustellen, und baut immer mehr Brunnen in Afrika und Indien. Hat das Thema der weltweiten Wasserknappheit eigentlich genug Präsenz in den Medien?

Gentleman:Leider nicht. Das ist der Grund, warum es so wichtig ist, da noch viel mehr Alarm zu schlagen. Eigentlich ist es das Thema schlechthin. Eigentlich müsste es das sein. Wenn das nämlich so weitergeht, sieht es in ein paar Jahren ganz schön düster aus.
Auch, was so Konzerne wie Nestle angeht, die mit Coca Cola unter einer Decke stecken, was die Privatisierung des Wassers angeht. Dass da die Menschen nicht auf die Straße gehen und da auf politischer Ebene nichts passiert, das ist eigentlich unglaublich. Wenn man sich das vor Augen hält, dass der Nestle-Chef in einem Interview sagt: Wasser ist kein Grundrecht, kein Menschenrecht. Das macht echt extrem wütend.

kicker

Seconds: Wir in Europa haben ja auch einige Probleme mit unserem Trinkwasser, angeblich soll man Quellwasser in 20 Jahren mit Gold aufwiegen können. Seit einiger Zeit beobachten wir, dass Großunternehmen die Schöpfreche der europäischen Quellen aufkaufen wollen. Hältst du die Kontrolle der Quellen durch große Unternehmen, quasi als Schutz, für geeignet?

Gentleman: Ich glaube, es gibt nichts Schlimmeres. Das ist eine Entwicklung, die gestoppt werden muss. Wasser ist ein Menschenrecht und kein Spekulationsobjekt. Wer sich das bewusst macht und seinen Mund nicht aufmacht, der verliert meinen Respekt. Das ist auf jeden Fall ein ganz, ganz großes Problem. Aber das ist eben nicht nur so beim Wasser, sondern bei Lebensmitteln überhaupt. Spekulationen auf Grundnahrungsmittel – ich weiß nicht mehr genau, wann das angefangen hat: Die Menschen haben nichts zu essen, überall brechen bürgerkriegsähnliche Zustände aus und die Spekulanten an der Börse setzen auf Brot und Wasser! Das ist eine langsame, aber stetige Entwicklung, nach dem Motto: Die Bevölkerung gewöhnt sich schon daran. Das ist bei vielen politischen Prozessen so. Ob es ein Giftgasanschlag ist – man tötet nur ein paar Hundert Menschen, damit der Aufschrei nicht allzu groß ist und die Weltbevölkerung sich langsam dran gewöhnt – oder eben die Wasserversorgung. Das ist ein schleichender Prozess, der aber voll im Gange ist, und dagegen muss man etwas tun.

Seconds: In Europa sind vor allem Arzneimittelcocktails ein Problem. Die Filteranlagen sind höchst aufwendig oder nicht ausreichend. Östrogene und Antibiotika schädigen unsere gesamte Umwelt. Was können wir, deiner Meinung nach, hier tun?

Gentleman: Im Grunde genommen gibt es eine Lösung: Aufarbeitungsgeräte. Es ist ja technisch möglich, es ist alles da. Auf politischer Ebene passiert aber viel zu wenig. Ich glaube, in dem Moment, in dem in den Medien, in der Öffentlichkeit das Thema mehr in den Fokus rückt und die Empörung wächst, ein Aufschrei stattfindet, müssen sich die Politiker bewegen und nur dann passiert auch was. Und das ist das, was wir machen können und auch machen müssen. Wir müssen darauf aufmerksam machen. Wir als Medien und wir als Künstler, als Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Wenn wir alle zusammen an einem Strang ziehen, dann bin ich davon überzeugt, dass sich etwas verändern lässt. Vielen Menschen, mit denen man spricht, ist die Thematik nicht bewusst – aber woher auch? Du machst den Wasserhahn auf und da kommt Wasser raus, drehst du den rechten auf, kommt heißes, ist doch alles super, was wollen wir denn? Aber dass das mittlerweile eine Dimension angenommen hat, die einem wirklich Angst machen kann, das kriegen wir gar nicht so mit, weil das eben ein schleichender Prozess ist.

 

Es ist einfach ein Charity-Projekt, das eine ganz lockere, unaufdringliche und sympathische Art und Weise, fern ab von Bürokratie und Steifsein

 


ballSeconds: Trinkst du noch Leitungswasser? Und was trinken deine Kinder?

Gentleman: Wir trinken noch Leitungswasser, obwohl das in
unserem Stadtteil in Köln sehr verkalkt ist.

Seconds: Via Con Aqua vertreibt mittlerweile ein eigenes
Mineralwasser, das den geplanten Wasserprojekten zugutekommt, hast du das schon mal probiert?

Gentleman: Ja, es ist super, kann ich nur empfehlen.

Seconds: Bekommt man das in Köln Neubrück, wo du groß
geworden bist, auch irgendwo?

Gentleman: Ich bin ja gar nicht in Neubrück groß geworden. Mal wieder Wikipedia. Ich bin in der Südstadt aufgewachsen.
Ich weiß gar nicht, wie die Menschen auf Neubrück kommen (lacht). Ich bin da mal Skateboard gefahren (lacht).

Seconds: Last but not least: Könntest du dir vorstellen, in einem Musikprojekt wie „USA for AFRICA – we are the world“ einen Wassersong mit vielen bekannten deutschen Musikern aufzunehmen?

Gentleman: Ja, es gibt schon einen Song, den wir für Viva con Agua aufgenommen haben. Das ist schon etwas länger her. Es ist eine gute Idee, viele Künstler mit ins Boot zu holen. Vor ein paar Monaten gab es eine große Veranstaltung für das Rolf-Stahlhofen-Projekt: „Water is right“ heißt das. Da geht es darum, Geld zu sammeln, um Wasserboxen zu bauen, die es möglich machen, aus Regenwasser Trinkwasser zu machen. Da waren auch sehr viele Künstler dabei. Unter anderem die Söhne Mannheims, ich war da und viele andere Künstler. Da ist viel Geld zusammengekommen. Ich finde es ganz wichtig, dass sich immer wieder Künstler dafür einsetzten. Und so ein richtig großer Hit – das wär’ mal was! Ja, Scorpions, Westernhagen, Grönemeyer, Fanta Vier, Erdmöbel (lacht), Sarah Conner, Annette Humpe von Ideal, das wäre der Hammer … Ja!

Seconds: Vielen Dank für das Interview! Und alles Gute für deine Tour im Oktober!

 

Über GENTLEMAN

Gentleman ist wohl der bekannteste Reggae-Musiker Deutschlands. Mit bürgerlichem Namen heißt er Tilmann Otto und wurde am 19. April 1975 in Osnabrück geboren und in der Kölner Südstadt groß geworden. Gentleman ist Vater von zwei Kindern und mit der Amerikanerin Tamika liiert. Jamaika ist für ihn seine zweite Heimat, dort hält er sich sehr oft auf und findet Inspirationen für seine Musik. 2004 gelang Gentleman mit „Confidence“ der musikalische Durchbruch: Das Album landete auf Anhieb auf Platz 1 der deutschen Charts. Seit 2010 ist Gentleman bei Universal Music unter Vertrag, bei denen auch „Diversity“ veröffentlicht wurde.

 

Kommentare

  1. Hallo Herr Tilmann,

    ich finde Ihr Brunnenprojekt eine wichtige Sache, die ich auch gerne unterstützen würde.
    Da ich selbst seit ein paar Jahren nun vom Kunstschmied zum Mützenmacher gewechselt bin und auch Schlägermützen mache, angelehnt an die 30-Jahre, von der Form optisch ähnlich wie auch Sie öfters eine tragen.
    Mützen machen ist meine Leidenschaft geworden, kombiniere sie aus verschiedensten Stoffen, auch aus alten Kleidungsstücken, Seesäcken, so werden sie immer wieder zu originellen Einzelstücken.
    Leider fehlt manchen der Mut oder das Vorstellungsvermögen zu so einer Mütze, so dass ich an Lifestyle Bilder dachte, um damit ein wenig Lebensstyle besser zu transportieren.
    Die Idee ist, ich würde Ihnen gerne eine Mütze zukommen lassen und Sie senden mir ein Bild mit sich und der Mütze, für meinen Verkaufstand. Leider habe ich keine von den Einzelstücken auf meiner Webseite.
    Auch würde ich auch gerne eine Jamaika-Edition machen und einem Teil des Umsatzes, an das Brunnenprojekt spenden. Würde mich freuen von Ihnen zu hören,

    mit besten Grüßen
    Stephan Roka

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