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Kulturzirkus Meinungen, Trends und Einflüsse.

06

Apr
2014

Ein Duft ging um die Welt

On 06, Apr 2014 | Keine Kommentare | in Kulturzirkus, LATEST NEWS, Made in Cologne | von SecMag

Die Geschichte von Giovanni und seinem Parfüm, das bis heute fasziniert. – VON KATHARINA LEY – Es war einmal ein großer Parfümeur namens Farina, der stammte aus dem wunderschönen Piemont im Norden Italiens – einer Region, die bekannt ist für ihren guten Wein und für kostbaren Trüffel. Farina, der schon in die entlegensten Orte der Welt gereist war, folgte dem Ruf der Handelsstadt Köln und kreierte hier ein Parfüm, das er selbst mit den Worten beschrieb: „Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten kurz nach dem Regen. Er erfrischt mich, stärkt meine Sinne und meine Phantasie.“ Könige, Kaiser, Dichter und Denker vergötterten den Duft und orderten das teure Gut fortan kistenweise. Schon bald hatte die Stadt Köln durch Farinas Parfüm den Ruf, die Duftmetropole zu sein…

Was sich anhört wie ein Märchen, ist die wahre Geschichte von Johann (italienisch„Giovanni“) Maria Farina – dem Begründer des ältesten Dufthauses der Welt, welches seit dem Jahr 1709 bis zum heutigen Tage gegenüber dem Jülichs-Platz in Köln zu finden ist.

Ein Duft, der um die Welt ging! Farinas belebendes „Eau de Cologne“ (nicht zu verwechseln mit einem Parfüm namens „4711 Echt Kölnisch Wasser“ – doch dazu später mehr) enthielt vor allem Bergamotte-Öl und Rosmarin-Öl. Farina war der Erste, der für ein Parfüm Alkohol verwendete. Damit schuf er die sogenannte Kopfnote. Der Duft, der sofort durch verdunsteten Alkohol in die „Nase“ steigt. Farina, der Destillateur – im 18. und 19. Jahrhundert ein angesehener Beruf – entnahm sein Destillat ausschließlich Trauben und nicht wie üblich Getreide.

Aber was sind Parfümeure für Menschen, welche Fähigkeit zeichnet sie aus, und wie kreieren sie einen neuen Duft? Jeder, der schon mal an Riechfläschchen mit konzentrierten Duftstoffen gerochen hat, weiß, wie schwer es unserer untrainierten Nase fällt, das Gerochene korrekt zuzuweisen. Spätestens seit Patrick Süßkinds schaurigem Bestseller „Das Parfüm“ wissen ebenfalls die meisten, dass eine Duftkomposition stets einer Idee von einem Duft entspringt. Die Vision eines Duftes entsteht im Kopf des Parfümeurs und nicht durch das wahllose Vermischen kostbarer Essenzen. Was es dazu braucht, ist – nichts weiter als – die sogenannte „absolute Nase“, also ein besonders gut ausgeprägter (angeborener) Geruchssinn.

FARINA-Der-Parfumeur

Die Vision eines Duftes entsteht im Kopf des Parfümeurs und nicht durch das wahllose Vermischen kostbarer Essenzen.

In Farinas Familie verfügte, neben ihm selbst auch seine Großmutter, die zu einer großen, italienischen Aromateurfamilie gehörte, über diese Fähigkeit. Doch auch solch eine „absolute Nase“ bedurfte eines konstanten Trainings. Das edle „Eau de Cologne“, welches den Menschen zu Zeiten des Rokoko eine Idee davon gab, wie Bergamotte (die Kopfnote des Parfüms) und Limette dufteten, war so revolutionär und alsbald weltweit beliebt, dass Napoleon Bonaparte, Johann Wolfgang von Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart, Honoré de Balzac und viele mehr jenen teuren und luxuriösen Duft in rauen Mengen kauften.

Geburtshaus der EAU de COLOGNE


farina-banner


So viel zur Geschichte Farinas. Doch wie in jedem Märchen gab es auch in dieser Geschichte „Bösewichte“ oder, besser gesagt, „Gegenspieler“. Ein findiger Kaufmann namens Wilhelm Mülhens erkannte, dass sich mit dem Namen der Marke Farina leicht Geld verdienen ließ. Mit gekauften Namensrechten eines anderen Herrn Farina, die wiederum zahlreich weiterverkauft wurden, ging der Name Farina schon bald um die Welt . Die ersten Nachahmungen des bis dato einzigartigen „Eau de Cologne“ überschwemmten den Markt. Allerdings kam kein Duftwässerchen an den ursprünglichen Duft von Farina heran.
Denn abgesehen von der geheimen Rezeptur, die der große Parfümeur erst kurz vor seinem Tod im Jahr 1766 an seinen Nachfolger weitergab, kann nur derjenige eine originalgetreue Kopie des Duftes entwickeln, der über Lage, Ernte und Anbaugebiet jeder einzelnen Essenz im Bilde ist.
Auch heute noch ist die Marke Farina dort zu finden, wo Farina vor 300 Jahren seine adeligen Gäste empfangen hat: gegenüber vom Jülichs-Platz in Köln.

Im ältesten Dufthaus der Welt wird natürlich – wie könnte es anders sein – noch immer das edle „Eau de Cologne“ verkauft. Jeder, der möchte, kann sich in den Räumen Farinas, welche nunmehr ein Duftmuseum darstellen, vom damaligen Wirken des Parfümeurs überzeugen.
Das eindrucksvolle Haus mit den Abbildungen einer roten Tulpe im Schaufenster, das Markenzeichen der Firma Farina, bietet interessierten Genussmenschen bis zu 12 Führungen täglich an.

So sorgen auch noch die Nachkommen der achten Generation nach Giovanni dafür, dass das Erbe des großen Parfüms in die Welt getragen wird. Und wenn sie nicht gestorben sind, parfümieren sie noch heute…

Duftmuseum im Farina Haus
Obenmarspforten 21, 50667 Köln
Öffnungszeiten:
Montag – Samstag 10 – 19 Uhr
Sonntag 11 – 16 Uhr
Molanus-Rosolien-2bearbeitet

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