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06

Jun
2014

Proberäume Köln – eine Problemzone

On 06, Jun 2014 | Keine Kommentare | in LATEST NEWS, Musik, Urban Native | von SecMag

Moderduft als Quelle der Inspiration

VON MAGGI RÖSCHENKÄMPER –  UND ANDREAS BASTIAN

Die Förderung von Kunst und Kultur und insbesondere von Rock- und Popmusik in Köln und Umgebung hat sich der gemeinnützige Verein PopkulturKöln e.V. auf die Fahnen geschrieben. Hervorgegangen aus dem im Jahr 1992 gegründeten Rockförderverein Köln e.V., kümmert sich PopkulturKöln e.V. seit 1993, um mehrere musikalisch relevante Bereiche: So werden nicht nur Musikproberäume (derzeit 47 bald 60) eingerichtet, vermietet und verwaltet sowie Musiker und Veranstalter professionell beraten; auch die Konzeption und Durchführung von Konzerten und Festivals und die Herausgabe von Publikationen zählen zum Aufgabenrepertoire des Vereins.

musik3Jedem eingefleischten Konzertbesucher des alljährlich stattfindenden Ringfestes dürften die von PopkulturKöln e.V. initiierten Konzertreihen der „Blauen Nächte“ und die „Köln-Bühne“ ein Begriff sein. Auf der Internetseite „Koelnkontakter“ präsentiert der Verein einen umfassenden Überblick über die Kölner Popularmusikszene. Hier können kostenlos einschlägige Informationen eingestellt und abgerufen werden. Das Musiklabel „Sound of Cologne Records“, auf dem bisher drei Doppel-CDs veröffentlicht wurden, bietet eine großzügige Leistungsschau der Kölner Elektronikszene, die sich nicht zuletzt im Festival „C/O Pop“ im August eines jeden Jahres widerspiegelt. Über das Büro „Music Export Cologne“ präsentiert der Verein genrespezifisch Kölner Künstlerinnen und Künstler auch auf Festivals und Musikmessen im Ausland. Bei all diesen Projekten arbeitet der Verein eng mit dem Referat für Popularmusik der Stadt Köln zusammen.

Das Gespräch führten wir mit Rosi Lang (Geschäftsführerin PopkulturKöln e.V.) und Manfred Post Vorstandsmitglied

PopkulturKöln scheint Bestandteil eines weitverzweigten Netzwerkes mit einer gemeinsamen Adresse zu sein, nämlich Heliosstraße 6a. Im Internet finden sich dazu teils gepflegte, teils verwaiste Internetauftritte. Ist das ähnlich wie beim Channelhopping – dass man dort `reinschaltet, wo es am besten ist?

L: Also, früher oder später treffen die Leute auf uns und unsere sehr übersichtliche und strukturierte Seite – und wer mich anruft, erhält alle Auskünfte, die er braucht. Andere Anbieter sind natürlich auch zu finden, keine Frage; doch ist es so, dass die Leute letztlich tatsächlich das Gespräch mit uns suchen, sowohl hinsichtlich der Proberäume als auch allgemein.

P: Dass unser Internetauftritt momentan nicht ganz aktuell ist, hängt u.a. damit zusammen, dass wir den „Koelnkontakter“, der ja online zu finden ist, umbauen. Deshalb haben wir bislang mit der Gestaltung des neuen Auftrittes gewartet. Er ist nun für das Frühjahr 2014 angedacht.

popkultur_logo

Popkomm, Popkultur, C/O Pop, Klubkomm, Cologne Music Week, Cologne Club Award – Ihr bietet da ja ein lebendiges Programm, „Com total“ sozusagen. Wird damit versucht, die großen Lücken, die die Popkomm hinterlassen hat, zu schließen?

P: Solch ein großes Loch hat die Popkomm für die inneren Strukturen in Köln gar nicht hinterlassen. Von außen mag das so ausgesehen haben, was Image- und Standort-Faktor angehen. Bis zum letzten Jahr war ich bei der Stadt als Popreferent tätig, und da diese Dinge immer in Kooperation mit der Stadt bzw. dem Kulturamt stattgefunden haben – von Projekten bis hin zu den Proberäumen –, ist dieses Netzwerk natürlich auch weiterhin vorhanden und nutzbar.

musik1Viele Bands kommen nach Köln, weil hier die Musikszene städtisch gefördert wird. Vom organisierten Proberaum auf die C/O Pop und anschließend womöglich ins Studio – ist das nicht ein etwas übertriebenes Anlocken?

P: Das ist nicht ganz korrekt. Wir sind natürlich in der Förderung aktiv und ich habe mich hierfür bis zur Pensionierung engagiert. Die Kölner hatten – quasi als Ausnahmeerscheinung in der Bundesrepublik – von 1989 an, die Stelle eines Rockbeauftragten im Kulturamt eingerichtet. Beginn an eine solche Funktion im Kulturamt inne; von daher ist hier die Förderung kontinuierlich gewachsen. Viele reden von sogenannten „Band- Professionalisierungen“ – leistet Ihr hier Schützenhilfe?

L: Einzelne Bands zu fördern, würde den Rahmen sprengen, d.h., wir befördern vielmehr verschiedene Projekte, wie z.B. schon seit Jahren „Lagerfeuer Deluxe“. Oder wir bauen Proberäume, um professionelle Bedingungen herzustellen, damit die Bands rund um die Uhr proben können. Wir haben früher die Clubs unterstützt, sodass Bands dort spielen konnten, z.B. durch die „Blauen Nächte“; ganz früher initiierten wir zudem die „Köln-Bühne“ auf dem Ringfest , auf der an drei Tagen fast ausschließlich Kölner Bands spielten. So schufen wir also eine breit aufgestellte Front, die wir nun in einzelnen Teilen weiterhin fördern möchten, damit es für Bands ausreichend Plattformen, aber auch Informationsmöglichkeiten wie unser Auskunftsbüro gibt.

Wird die Szene an den Stadtrand gedrängt?

Gibt es in Köln genug Proberäume?
P: Nein, immer noch nicht.

Zahlreiche für Probezwecke attraktive Industriegebiete wurden in Köln bereits dem Erdboden gleichgemacht – entstehen denn neue Alternativen?

P: Zwar ist es bedauerlich, dass durch den Abriss alter Industriegebäude Kreativräume wegfallen; auf der anderen Seite ist es natürlich gerade für diese Stadt wichtig, dass einigermaßen bezahlbarer Wohnraum entsteht. Bei der Zwischennutzung von Immobilien für kreative Zwecke ist solch eine Veränderung schon üblich, und das ist auch gesund. Zumindest bin ich auch froh, dass preiswerte  Wohnungen gebaut werden. Und wenn das Helios-Projekt den Vorschlägen der Architekten entsprechend umgesetzt wird, darf man hier noch weiteren Wohnraum erwarten, der bezahlbar ist. Ich finde, hier in Ehrenfeld entwickeln sich die Dinge, auch unter politischer Einflussnahme, gar nicht mal so schlecht.

musik2Stimmt das alte Proberaum-Klischee – „zwei Etagen unter der Erde bei Schimmel und Modergeruch“ – noch, oder hat sich das grundlegend geändert? Wie sind da Eure persönlichen Erfahrungen mit Proberäumen?

L (lacht): Ja, dieses Klischee traf auf jeden Fall auf meinen ersten Proberaum zu, den ich mit meiner ersten Band in einem Bunker in Höhenberg – Anfang der achtziger Jahre – gemietet hatte. Da war tatsächlich die Gesangsanlage nach einer Woche innen grünlich verschimmelt, weil eine Etage tiefer das Grundwasser stand. In dem Bunker tummelte sich alles, was in irgendeiner Form Instrumente in die Hand nahm, und die Szene war froh, dass es überhaupt Probemöglichkeiten gab. Solche Zustände gibt es mit Sicherheit noch, aber im Wesentlichen haben sie sich doch sehr zum Positiven verändert.

P: Ja, die Angebote sind schon beträchtlich. Wir bieten – ohne Dellbrück – 46 Proberäume in vier Zentren an, und es existieren zudem zahlreiche Proberäume, die privat vermietet werden. Natürlich können wir durch die Förderungen, die wir erhalten, die Proberäume günstiger anbieten. L: Es gibt mittlerweile die verschiedensten (auch nach Tagen oder Stunden getakteten) Vermietungsmodelle in dieser Stadt, aber eines haben alle Räume gemeinsam: Sie sind besetzt – und wenn sie vierfach belegt sind, sie werden auf jeden Fall genutzt.

 

Früher war Rock‘n‘Roll der Ausdruck des Widerstandes der Jugend gegenüber der Gesellschaft! Was gibt es heute?

 

Die C/O Pop-Seite schmückt schon viele große Namen – dabei ist vieles noch Handarbeit. Wie groß ist das Netzwerk Sound-of-cologne eigentlich? Auch bezogen auf den Anteil am Arbeitsmarkt?

P: Eine durchaus berechtigte Frage. Die letzten Untersuchungen, die wir zur Musikwirtschaft durchgeführt haben, sind von 2007 (die Stadt hat einen Kulturwirtschaftsbericht erstellt). Unser Ziel ist es, speziell für die Lage der Musikwirtschaft in Köln aktuelle Daten zu ermitteln und entsprechend zu berichten. Denn nach wie vor ist der Musikbereich mit all seinen Facetten, von der klassischen bis hin zur Neuen Musik, einer der innovativsten und auch aktivsten Bereiche, zum anderen auch wirtschaftlich der interessanteste. Ob durch das Club- und Veranstaltungs-Procedere oder die damit zusammenhängenden Einsätze technischer Firmen, welche das entsprechende Equipment liefern usw. Insofern treffen wir hier auf eine bedeutende Kulturwirtschaft. Deshalb streben wir an, diese Untersuchungen neu aufzulegen. Es war ebenfalls der Wunsch der Politik, solch einen Kulturwirtschaftsbericht alle drei Jahre zu veröffentlichen; doch da wir mittlerweile wieder seit drei Jahren darauf warten, müssen wir dies von außen anstoßen. Da ich mich in dem Procedere – sowohl in der Politik als auch in der Verwaltung – immer noch gut auskenne, lässt sich das auch betreiben.

musik4Einige Medien berichteten davon, dass „in allen Ecken der Innenstadt Kultur und Produktivität sprießen“ – hat Köln diese Kraftausdrücke noch nötig?

L: Es gibt mittlerweile breitgefächerte, gegenseitige Einflussnahmen; selbst bei der C/O Pop befruchten sich z.B. Mode und Musik wechselweise, das ist schon faszinierend. Oder im Parkhaus werden Konzerte gegeben. Da hat Köln wirklich einiges zu bieten; vor lauter Veranstaltungen weiß man kaum mehr, wohin man zuerst gucken soll. Und diese sind auch durchweg gut besucht, wie uns die Bands regelmäßig zurückmelden. Dann heißt es: „Die standen `raus bis auf die Straße und fanden`s toll.“ Und das ist doch beeindruckend…

P: Entsprechend ist auch das Konzept der Cologne Music Week angelegt, die im Januar stattfand. Bei den allermeisten Veranstaltungen ist der Eintritt frei. Das führt dazu – so auch bei Veranstaltungen im Restaurant im Stadtgarten –, dass um 21 Uhr die Bude gerappelt voll ist. Wir finden hier junges Publikum, anderes Publikum, das für 10 Euro nicht mehr in einen Klub gehen würde. Diese Leute haben nun die Möglichkeit, zwei Getränke zu bestellen und ihre Band zu genießen. Dafür jetzt nicht 10 Euro zu verlangen, ist, so finde ich, sowohl für die Bands als auch für die Atmosphäre insgesamt ein stimmiger Ansatz.
Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt für Proberäume gibt es hier: www.popkulturkoeln.de/

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