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Film Festivals, Veranstaltungen, Workshops und Künstler.

06

Okt
2013

Querbeet – durch die weite Welt von Film und Fernsehen

On 06, Okt 2013 | Keine Kommentare | in Film, LATEST NEWS, Made in Cologne | von SecMag

Ein Rückblick auf die 23.Cologne Conference – VON IRIS THEN – Sechs Tage lang bot auch in diesem Herbst die Cologne Conference wieder ein umfangreiches Programm aus nationalen und internationalen Film- und Serien-Highlights, hochkarätigen Dokumentationen und spannenden Werkstattgesprächen. Seit der Gründung im Jahr 1991 hat sich das jährlich in Köln stattfindende Festival als eine der wichtigsten deutschen Medienveranstaltungen für herausragendes Fernsehen und unabhängige Filmkultur etabliert. Die Direktorin, Dr. Martina Richter, freute sich bei ihrer Eröffnungsrede darüber, dass sich die Cologne Conference inzwischen von einem reinen Branchentreff auch zu einem Publikumsfestival entwickelt hat und so besonders auch junge Leute anzieht.



„Man bekommt hier einen Überblick über das Filmmarktgeschehen und geballte Informationen, die man sich sonst sehr mühsam im Internet zusammensuchen müsste“, meint André Rinke begeistert. Der 22-Jährige Filmstudent der Kölner macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation hat jeden Tag mindestens sechs Stunden auf dem Festival zugebracht. Die Beine bequem hochgelegt, die Rückenlehne leicht zurück gekippt, fiel es in den breiten, gepolsterten Ledersesseln der Lounge des Kölner Residenzkinos, dem diesjährigen Haupt-Veranstaltungsort der 23. Cologne Conference, nicht schwer, mehrere Stunden auszuhalten. Täglich drei bis vier Filme hat der angehende Filmemacher auf dem Festival konsumiert. Ein Trend in diesem Jahr waren explizite Gewaltdarstellungen und drastische Bilder. Das schreckt den Filmstudenten nicht. Gelassen meint er, er könne gut zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Ihn würden in Filmen vor allem die Charaktere und deren Entwicklungen interessieren, die ganz besonders ausgeprägt in Serien zu finden sind.

Nicht nur etwas für Serienjunkies

„Die Cologne Conference hat sich inzwischen als zentraler Treffpunkt für den Austausch über Serien erwiesen“, meint Julia Grünewald, Leiterin des Drama Departments des Bundeskulturministeriums. „Hier sieht man Formate, die man vielleicht erst in zwei Jahren offiziell zu sehen bekommt.“ So waren neben dem groß angekündigten Staffelfinale der US-Serie „Braking Bad“ und ein paar Folgen aus dem deutschen Tatort, auch amerikanische und kanadische Serien wie „Hell on Wheels“, „Hannibal“, „House of Cards“, die britischen Miniserien „The Fear“ und „In The Flesh“, sowie „Broadchurch“, „Utopia“, „Top of the Lake“ und die viel beachtete französische Mysteryserie „Les Revenants“ auf dem Festival zu sehen. Von über 1000 Film- und Fernsehbeiträgen aus mehr als 60 Ländern hatte die Festivalleitung im Vorfeld eine Auswahl getroffen und sie unter den Themenreihen „Top Ten“, „Look“, sowie „Kino“ präsentiert. Zu zeigen, dass das Fernsehen, mit seiner ganz eigenen Ästhetik, eine dem Kino ebenbürtige Kunstform ist, war bei der Cologne Conference von Beginn an das Ziel.

„Ich kenne kein anderes Forum, bei dem man sich über die Qualität des Fernsehens so offen und ideologiefrei unterhalten kann. Da es überwiegend um Fernsehware geht, spielt der ganze Diskurs über Arthouse und Entertainment hier eher eine untergeordnete Rolle.“ Das und die Intimität des Festivals seien ein großer Pluspunkt der Veranstaltung, meint die Dramaturgin Grünewald, die auch als Dozentin des Neuen Kölner Filmhauses arbeitet und dort angehende Drehbuchautoren betreut. „Im Gegensatz zur Berlinale hat man hier viel eher die Chance mit Leuten direkt ins Gespräch zu kommen.“ Das war besonders wichtig für die Teilnehmer der von ihr und dem Dramaturg Ron Kellermann maßgeblich geleiteten Autorenwerkstatt. Denn zum Abschluss des einjährigen Seminars fand im Rahmen der Cologne Conference ein öffentliches Pitching der Filmideen der angehenden Drehbuchautoren statt.
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Einen guten Stoff für einen Film zu entdecken ist gar nicht so einfach

„Es gibt viele Drehbücher, aber wenige, mit denen man etwas anfangen kann“, sagt Joachim Ortmanns, Produzent der Kölner Filmproduktionsfirma Lichtblick und Geschäftsführer des AV-Gründerzentrums, der als einer der geladenen Gäste zum Pitch ins Neue Kölner Filmhaus gekommen ist. Neun Minuten hatten die Teilnehmer der Autorenwerkstatt jeweils Zeit, mit ihren Ideen vor Publikum zu brillieren. Für die zukünftigen Drehbuchautoren eine Feuerprobe für den Einstieg in das harte Filmgeschäft. „Es ist eine Kunst, Stoffe zu entdecken, und eine zweite, sie dann zu entwickeln.“ Der erfahrene Produzent muss es wissen. Es sei ihm schließlich auch schon passiert, erzählt er, dass er ein Drehbuch abgelehnt habe, das dann später auf anderem Weg zum erfolgreichen Film geworden sei. Man stecke da eben nicht drin.

Als Neueinsteiger im Drehbuchbereich braucht es für den Erfolg, neben der guten Idee, Herzblut, Durchhaltevermögen, ein gutes Netzwerk zur Branche und die Bereitschaft Kompromisse zu machen, sich aber dennoch nicht zu verbiegen. Norbert Vander, einer der Teilnehmer der Autorenwerkstatt des Neuen Kölner Filmhauses hat es geschafft. Er hat seine Idee für eine Komödie über eine Patchworkfamilie bereits noch während des Seminars gewinnbringend nach Amerika verkauft. „Die Autorenwerkstatt ist ein Quell gut ausgearbeiteter Stoffe“, meint der gelernte Werbefilmer. „Für Filmproduktionsfirmen ist das ein großer Vorteil, weil sich die Produktionszeit so erheblich verkürzt.“ Die Cologne Conference sieht er als eine gute Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Dass auch der Tatort dort läuft, findet er allerdings etwas enttäuschend, auch wenn dieser das Flaggschiff der deutschen Serie ist.

Wichtige Entwicklungen im Blick

Neben den überwiegend anglo-amerikanischen Serien waren auf dem Festival auch Dokumentationen über Pussy Riot, David Bowie und die John-Waters-Muse „Divine“ sowie außergewöhnliche Kinofilme wie die beiden Cannes-Gewinner „Heli“ aus Mexiko und „A Touch Of Sin“ des chinesischen Filmemachers Jia Zhangke zu sehen. Zu den Branchenveranstaltungen der Cologne Conference, den Lectures, konnten jedoch nur akkreditierte Gäste gehen. Dort ging es unter anderem um Wissenschaft im Fernsehen, zukünftige Tendenzen neuer Technologien und einen Überblick über neue internationale Medienmärkte, mit Gastreferenten aus China, Brasilien und der Türkei. Besonders überraschend war hier die Qualität türkischer Serien.

„Ich glaube, dass man das Potential türkischer Filmproduktionen hierzulande noch unterschätzt“, meint Sevinç Yeşiltaş von der Kölner Dependance des türkischen Fernsehsenders TRT. In Schweden zum Beispiel liefe die Serie „Son“ (zu Deutsch: „Das Ende“) auf Türkisch mit schwedischen Untertiteln bereits seit längerem sehr erfolgreich. Yeşiltaş ist sich sicher, dass diese auch Erfolg auf dem deutschen Markt haben könnte, nicht zuletzt wegen der großen türkischen Community, die hierzulande lebt.

Promis und Preise

Zum Abschluss des Festivals gab es eine feierliche Preisverleihung. Den mit 25000 Euro dotierten Filmpreis Köln erhielt der amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Harmony Korine. Sein Spielfilm „Spring Breakers“ hatte zuvor für Furore gesorgt. Der International Actors Award ging an die französische Schauspielerin Isabelle Huppert („Die Klavierspielerin“). Auch die Schauspielerin Sibel Kekilli („Game of Thrones“, „Tatort“) wurde für ihre Arbeit ausgezeichnet, und zwar mit dem The Hollywood Reporter Award. Weitere Preise gingen an den Schweizer Schriftsteller Christian Kracht und die deutsche Regisseurin Frauke Finsterwalder für den Spielfilm „Finsterworld“, sowie an Susanne Ritter, für ihre Caster-Arbeit bei der Produktion „Hannah Arendt“ den Deutschen Castingpreis erhielt.

Die 23. Cologne Conference. Ein breit angelegtes Festival, noch dazu auf mehrere Veranstaltungsorte verteilt. Von Filmreihen, Werkstattgesprächen, Lectures bis hin zu Preisverleihungen war alles zu haben. Für Festivalneulinge schon eine Herausforderung. Vor einem Jahr, erzählt der Kölner Regiestudent André Rinke, war er zum ersten Mal da und hatte seine Mühe sich zu orientieren. Doch dieses Jahr klingt er schon fast wie ein Profi. „Man muss eben lernen, so ein Festival zu lieben, sonst kann man es nicht richtig nutzen“, meint der angehende Regisseur überzeugt.

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